Eine Form ungesunden männlichen Verhaltens

Eine Form ungesunden männlichen Verhaltens
Boris von Heesen am 27. Januar in Memmingen

Beim Vortrag von Boris von Heesen in Memmingen wurde klar: Unsere Verkehrspolitik ist nicht nur autozentriert – sie ist auch männlich geprägt. Das hat Folgen für Sicherheit, Klima und Teilhabe.

👉 Verkehrsausschüsse, Verbände, Behörden, Industrie: überwiegend Männer
👉 Investitionen folgen der Pendler-Perspektive „Mann fährt mit Auto zur Arbeit“
👉 Andere Mobilitätsrealitäten – Care-Arbeit, Wegeketten, Alltagswege – werden zu wenig mitgedacht

Das Ergebnis nennt Boris „Autonormativität“: Das Auto ist die Norm. Zu Fuß gehen, Radfahren, Bus und Bahn sind die „Abweichung“. Die Folge: mehr Fläche, mehr Geld, mehr Rechte – fürs Auto.

Und auch die Zahlen sind deutlich:
➡️ Der Großteil schwerer Verkehrsverstöße und Unfälle wird von Männern verursacht
➡️ Besonders hohe Risiken bei Geschwindigkeit, Alkohol und großen Fahrzeugen
➡️ Jährliche gesellschaftliche Mehrkosten in Milliardenhöhe durch dieses System

Zur Bewusstmachung: Es geht um Status, Konkurrenz, Lautstärke, Leistung, Kontrolle, heißt: Ich lerne immer wieder, dass ich im System Status anhäufen muss, um jemand zu sein, ich muss in Konkurrenz gehen, ich muss mich mit anderen Männern messen und am besten dann auch siegen, ich muss laut sein, denn wenn ich laut bin, bin ich sichtbar. Ich muss Leistung bringen und immer die Kontrolle behalten. Immer souverän sein, immer alles unter Kontrolle, mit zwei Kindern, mit Haus, mit Job, mit eigener Firma, nie Schwäche zeigen.

Das zeigt sich auch bei psychischen Erkrankungen von Männern: weil sie kein Ventil haben, weil die nie gelernt haben, aus diesem engen Bild der Männlichkeit auszubrechen. Das Auto – „der letzte maskuline Schutzraum“ (gleich einer Ritterrüstung) verleiht Männern Sicherheit, Anerkennung, Bestätigung, Orientierung.

Fazit: Wollen wir die Mobilitätswende wiederbeleben, wollen wir, dass sie Dynamik bekommt, dass es vorwärts geht, dass wir schönere und sicherere Städte bekommen, in denen wir uns wohlfühlen, in der wir gerne Zeit verbringen, wollen wir gerechten Verkehr fördern, dann müssen wir zuerst die Geschlechterfrage beantworten!